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Grundfragen der Theologie

Über das Verhältnis von Christentum und Atheismus

Schwerpunktthema 2018/2019: Über den Atheismus im Christentum


Wir erleben in unserer Gesellschaft das Nebeneinander von Religion und Atheismus. Doch der Glaube und seine Bestreitung gehören seit jeher zusammen: Der Atheismus muss sich mit der Religion bzw. den Glaubensinhalten auseinandersetzen, die er bestreitet. Und für den gläubigen Menschen kann der Atheismus eine kritische Funktion haben. Es lohnt daher, das Verhältnis der beiden Positionen, die sich nur auf den ersten Blick ausschließen, zu beleuchten und sich mit den Argumenten des Unglaubens wie auch mit den guten Gründen des Glaubens auseinanderzusetzen.
In dieser Seminarreihe soll es jedoch nicht um den Atheismus im Allgemeinen gehen, sondern um Formen des Atheismus, die sich im Christentum auffinden lassen, es kritisch anfragen und von innen her aufbrechen. Verschiedene Varianten des christlichen Atheismus werden beleuchtet, ihre argumentativen Stärken und Schwächen ausgelotet und ihre »religiöse Kraft« (P. Ricoeur) im Blick auf das Christentum einerseits sowie die These vom »Atheismus im Christentum« (E. Bloch) andererseits diskutiert. Selbst die christliche Mystik (z. B. Meister Eckhart, Teresa von Avila, S. Weil) stellt sich der Gottlosigkeit auf besonders radikale Weise. Zudem hat der christliche Glaube Philosophinnen und Philosophen immer wieder dazu angeregt, auch abseits der klassisch-theistischen Vorstellungen nach Gott zu suchen, was ihnen häufig den Vorwurf des Atheismus einbrachte (z. B. B. de Spinoza, J. G. Fichte). Und sogar atheistische Philosophie kann, sofern sie sich nicht völlig gegenüber metaphysischen Fragen sperrt, Entscheidendes zur Verhältnisbestimmung von Immanenz und Transzendenz beitragen. Das Diskussionsfeld erstreckt sich von der Betonung der »tiefen Diesseitigkeit des Christentums« (D. Bonhoeffer; D. Sölle) bis hin zur Frage, ob das Christentum noch eine Religion im strengen Sinne sei (z. B. J.-L. Nancy).
Die Auseinandersetzung mit den atheistischen Ausfaltungen innerhalb des christlichen Glaubens und Denkens kann dazu beitragen, dass die klassischen Kategorien von Glau-be/Unglaube, rational/irrational, Theismus/Atheismus neu diskutiert werden, um eine zeitgemäße, wahrheitsfähige und sinnstiftende Rede von Gott zu ermöglichen und zugleich die Argumente und Facetten des Nicht(mehr)glaubenkönnens zu verstehen.


Themen dieses Seminars:
- Was ist Atheismus?
- »Neuer« und alter Atheismus
- Atheismus und kirchliches Lehramt
- Atheismus zwischen Ablehnung & Aufklärung des christlichen Glaubens


Referentin:
Dr. theol. Fana Schiefen M.A., Wiss. Assistentin am Seminar für Philosophische Grundfragen der Theologie (Prof. Dr. Dr. Klaus Müller) an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Münster. Sie promovierte 2017 bei Prof. em. Dr. Jürgen Werbick (Fundamentaltheologie) in Münster.


Teilnahmebeitrag pro Person:
- inkl. Verpflegung und Unterkunft: EZ 119 / DZ 112 (93,50 / 90) €
- inkl. Verpflegung, ohne Unterkunft: 96 (82) €

Die Beiträge für Teilnehmer/-innen, die Ermäßigungen in Anspruch nehmen können, stehen in Klammern. Ermäßigungen sind vorgesehen für: in Erstausbildung Stehende und Studierende (bis zum 35. Lebensjahr), Bundesfreiwillige, Bezieher von Arbeitslosengeld (I und II) und Sozialhilfe.

Teilleistungen, die nicht in Anspruch genommen werden, können nicht abgezogen werden, weil die Berechnungen auf einer Pauschalkalkulation beruhen.


Ausfallkosten:
- bei Rücktritt 13 bis 2 Tage vor Veranstaltungsbeginn: 50 %
- bei späterem Rücktritt/Nichtteilnahme/vorzeitigem Beenden der Teilnahme: 100 %

Stornierungen sind ausschließlich an das zuständige Tagungssekretariat zu richten und bedürfen der Schriftform.


Infos zur Reihe

Grundfragen der Theologie

Die Seminarreihe stellt Grundfragen der Theologie aus einer systematischen Perspektive. Systematischer Theologie geht es um den Aufweis der Wahrheit christlicher Glaubenslehre und die Rechtfertigung christlichen Glaubens. Angesichts einer Pluralität von Lebenswelten und Sinnangeboten sind Christinnen und Christen immer wieder herausgefordert, die im Glauben geschenkten und aufgegebenen Inhalte nicht nur mit dem Herzen zu verstehen, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit mittels des universalen Mediums der Vernunft auszuweisen und sich selbst und anderen gegenüber zu begründen. Diese Glaubens-Herausforderung wirft existentielle Fragen auf nach unserer eigenen Identität und Lebensweise, unseren Hoffnungen und Wertüberzeugungen. Sie kann Selbstverständliches in Frage stellen und zum Um- und Weiterdenken anregen.
Die Reihe gewährt hierzu Einblicke in die verschiedensten Ansätze gegenwärtiger theologischer und (religions-)philosophischer Debatten. Sie lädt dazu ein zu entdecken, wie herausragende Denkerinnen und Denker in ihrer Zeit die Grundfragen nach Menschsein, Welt und Gott jeweils neu und anders gestellt und beantwortet haben. Angeleitet durch Impulsreferate und Textlektüre sollen Grundfragen der Theologie miteinander reflektiert, diskutiert und mit den eigenen Glaubens-Fragen ins Gespräch gebracht werden.
Ein übergreifendes Schwerpunktthema erlaubt die intensive Auseinandersetzung über längere Zeit. Auch die Teilnahme an einzelnen, jeweils in sich stehenden Themenwochenenden ist möglich.