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Fluchtpunkte. Religion und Migration im Film

Im September 2015 erzeugte das Bild eines toten Flüchtlingkindes am Strand enorme Reaktionen in der Medienwelt. Das Bild wurde zumindest auf zwei Ebenen gelesen: als ein Dokument der humanitären Katastrophe, die sich im Mittelmeer immer noch täglich ereignet, und als eine Art metaphorische Repräsentation der Haltung Europas gegenüber Flüchtlingen. Angesichts des toten Körpers des dreijährigen Aylan Kurdi scheint das Argument von »wir« gegen »die anderen«, das die Flüchtlingskrise dominiert hatte, seine Überzeugungskraft verloren zu haben. Menschen haben Kinder und Kinder müssen beschützt werden und bei ihren Familien leben können: Dies scheint die allgemein akzeptierte Annahme zu sein. Doch weder Aylans Tod noch die emotionale Wirkung von Nilüfer Demirs Photo änderten viel an der gegenwärtigen Situation von Menschen, die in westlichen Gesellschaften Schutz suchen. Dieses Ereignis ist jedoch ein gutes Beispiel für die eigentümliche Macht von Bildern, die uns bewegen und unterschiedliche Lesarten und Rezeptionen hervorrufen.
Die Jahrestagung 2018 der Forschungsgruppe Film und Theologie will die Rolle der Medien in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise und ihre Darstellung von Religion in diesem Kontext analysieren. Welche Rolle spielen Filme und andere audio-visuelle Medien in der Darstellung von Migration in europäischen Gesellschaften? Wie beeinflussen Medien die Art, wie wir Migration und Migrantinnen und Migranten begegnen? Welche normativen Agenden sind mit welchen filmischen Strategien verbunden? Neben diesen allgemeinen Fragen steht die audiovisuelle Darstellung von Religion im Kontext von Migration und Flucht zur Diskussion: Welche religiösen Traditionen und Symbole werden gezeigt? Welche Rolle spielen sie? Welche Beziehung besteht zwischen Bildern, Normen und Religion?
Der Film trägt in spezifischer Weise zur Verhandlung von kulturellen Identitäten bei. Er ist eine soziale Praxis, in der politische, soziale, kulturelle und religiöse Konflikte und Werte mit Hilfe von Darstellungen verhandelt werden (Chow 2011, Winter/Nestler 2010, 106). Bewegte Bilder sind in ihrer Darstellung von zeitlichen und örtlichen Abläufen und von Identität als fortwährende Verwandlung besonders wirksam (Dennerlein/Frietsch 2011, Martig/Mäder/Pezzoli-Olgiati 2013). Als komplexes symbolisches Kommunikationssystem kann Film auf besondere Art mit dem gegenwärtigen Phänomen der Migration umgehen, indem unterschiedliche Perspektiven eröffnet und kontroverse Rezeptionen angeregt werden (Kosnick 2009). Filme können Stereotype wiederholen und legitimieren oder kritische Lesarten anbieten.

Referentinnen und Referenten:
Prof. Marjo Buitelaar, Universität Groningen
M.A. Verena Eberhardt, LMU München
Dr. des. Natalie Fritz, Katholisches Medienzentrum Zürich
Prof. Dr. Stefanie Knauß, Villanova University Philadelphia
Prof. Dr. Walter Lesch, Katholische Universität Louvain-la-Neuve
Dr. Marie-Therese Mäder, Universität Zürich/LMU München
Dr. Charles Martig, Katholischen Medizentrums Zürich
Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati, LMU München
Samir, Schweizer Filmemacher und Produzent
M.A. Judith Steinbach, LMU München
Prof. Dr. Trygve Wyller, Universität Oslo

Teilnahmebeitrag pro Person:
- inkl. Verpflegung und Unterkunft: 225 (148,50) €
- inkl. Verpflegung, ohne Unterkunft: 156 (114) €
- inkl. Unterkunft im DZ und Verpflegung für Studierende der beteiligten Lehrstühle: 70 €

Die Beiträge für TeilnehmerInnen, die Ermäßigungen in Anspruch nehmen können, stehen in Klammern. Ermäßigungen sind vorgesehen für: in Erstausbildung Stehende und Studierende (bis zum 35. Lebensjahr), Bundesfreiwillige, BezieherInnen von Arbeitslosengeld (I und II) und Sozialhilfe.

Teilleistungen, die nicht in Anspruch genommen werden, können nicht abgezogen werden, weil die Berechnungen auf einer Pauschalkalkulation beruhen.

Ausfallkosten:
- bei Rücktritt 13 bis 2 Tage vor Veranstaltungsbeginn: 50 %
- bei späterem Rücktritt/Nichtteilnahme/vorzeitigem Beenden der Teilnahme: 100 %

Stornierungen sind ausschließlich an das zuständige Tagungssekretariat zu richten und bedürfen der Schriftform.