Zur Übersicht
Ulrich Dickmann (Hg.)

Personsein in Freiheit. Eine Einführung in die Aktualität der kantischen Anthropologie

Cover

Kein anderes Thema steht wohl so im Zentrum der wissenschaftlichen Diskurse unserer Zeit wie die Frage nach dem Menschenbild. Angesichts der Herausforderungen, die die Erkenntniszuwächse und Handlungsmöglichkeiten der Biotechnologien, der Medizin, aber auch die Prozesse der sog. Globalisierung mit sich bringen, wird die Frage, wie sich der Mensch denn eigentlich versteht und vor allem: wie er sich künftig verstehen will, zu der Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts. Debattiert wird über die Würde des Menschen am Lebensbeginn und am Lebensende, über Menschenrechte und politische Ordnungen, über Freiheit und Verantwortung. Im Gespräch mit den Naturwissenschaften macht die Philosophie dabei geltend, dass der Mensch mehr ist als ein Wesen, das sich vollständig in den Grenzen von Naturgesetzen und bio-, physio- oder neurologischen Abläufen bestimmen ließe. Und sie beruft sich zur Begründung von Freiheit, Rationalität und Würde der menschlichen Person immer wieder auf die Überlegungen Immanuel Kants (1724-1804) zu einer Rede vom Menschen, die sich ihrer eigenen Gründe kritisch zu vergewissern sucht und offenbar nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Die Katholische Akademie Schwerte, die es sich zur Aufgabe macht, in ihren Veranstaltungen die Frage nach dem Menschenbild in ihren vielfältigen wissenschaftlichen und kulturellen Bezügen zu stellen, nahm dies 2004, dem Jahr des 200. Todestages des Königsberger Philosophen, zum Anlass für eine Tagung, die philosophisch Interessierte in Kants Anthropologie und ihre gegenwärtige Relevanz einzuführen suchte. Der vorliegende Band macht die Vorträge der Referenten dieser Tagung, Michael Bösch und Ian Kaplow, nun einem breiteren Publikum zugänglich.

Der erste Artikel eröffnet einen Zugang zu Kants Programm einer „kritischen Philosophie“, die auf die Tauglichkeit einer sich ihrer Grenzen bewussten Vernunft im Dienste von Humanität und Freiheit baut. Es folgt eine Einführung in die kantische Ethik, die nicht auf Klugheit und Glücksmaximierung setzt, sondern auf vernünftige Handlungsprinzipien, welche die freiheitliche, autonome und vernunftbegabte Person als Selbstzweck zum Vorschein bringen. Von hier aus wird die Brücke zwischen Anthropologie und Kulturphilosophie geschlagen über die Rolle der Kultur im Denken Kants, in der die Menschheit der Natur jenen Freiraum abringt, der moralisches Handeln erst ermöglicht und einmündet in eine kosmopolitische Idee der Freiheit. Der vierte Beitrag verdeutlicht ausgehend von der Funktion von Sprechhandlungen und dem Aufweis von Defiziten in der der sog. Künstlichen-Intelligenz-Forschung mit Kant Kriterien für den Status von Personen. Daran schließt sich eine Bestimmung des Verhältnisses von Geist und Gehirn an, das mit Hilfe der kantischen Unterscheidung und Zuordnung des phänomenalen und des noumenalen Bereichs den Dualismus von Physikalismus und Mentalismus, von Kausalität und Freiheit zu überwinden, wenn auch nicht in Wissen aufzulösen vermag. Der letzte Beitrag widmet sich angesichts der gegenwärtigen Globalisierungsprozesse der Frage nach der Aktualität der Idee kosmo-politischer Verantwortung, in der Kants praktische Philosophie gipfelt.

 

Die Autoren

Prof. Dr. Michael Bösch lehrt Philosophie am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Fachhochschule Paderborn.

Dr. Ian Kaplow ist wissenschaftlicher Assistent am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover und lehrt Philosophie in Berlin und Hildesheim.