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Theresia Heimerl / Christian Feichtinger (Hg.)

Dunkle Helden. Vampire als Spiegel religiöser Diskurse in Film und TV

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Vampire und Vampirinnen begegnen in einer Vielzahl an Medienprodukten mit großer Reichweite (Kinofilme, TV-Serien, Belletristik), insbesondere ein junges, weibliches Publikum wird seit Mitte der neunziger Jahre mit Vampiren als Fluchtpunkten und Kristallisationen von Sehnsüchten und Ängsten sozialisiert. Die filmische und televisuelle Renaissance des Vampirs hat diesen zugleich einer beachtenswerten Veränderung unterworfen: Befreit aus dem klassischen Horror-Genre steht er nun als dunkler Held für eine »moral ambiguity« der Gesellschaft überhaupt und wird in seiner Rolle des »Anderen« zu einem gleichnishaften Versuchsfeld für menschliche Fragestellungen.

Ein näherer Blick zeigt, dass diese Produkte der Popular Culture, wiewohl weitab institutionalisierter Religion angesiedelt, auch zentrale theologische Themen behandeln: Das Wesen von Gut und Böse sowie die Frage nach den Kriterien und Motivationen für beides, Leben und Tod, Erlösung und Ewigkeit, Körper und Seele, dazu Werte, Normen und deren Überschreitungen. Da Vampire prinzipiell unsterblich sind, ist die Auseinandersetzung mit ihnen, die von Liebe bis Feindschaft reichen kann, von der (theologischen) Dimension der Ewigkeit her bestimmt. Vampire fungieren in hohem Maße als Spiegel des gesellschaftlichen Diskurses zu diesen Themen, der in dieser Form vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen rezipiert wird.

Der Sammelband beleuchtet diese neue und ungewöhnliche Rolle des Vampirs in Film- und TV-Produktionen der letzten 20 Jahre und eröffnet ein neues Diskursfeld für Theologie und Religionswissenschaft.