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Ulrich Dickmann / Kees Waaijman (Hg.)

Beziehung

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Der Begriff »Laienspiritualität« scheint nicht unpro­blematisch, hat er doch einen pejorativen Klang, der leicht zu ei­nem eingeengten Verständnis des Phänomens selbst führt. So ergeben sich insbesondere innerkirchlich durch eine vermeintliche Frontstellung (hier die ordinierten Amtsträger, dort diejenigen im Gottesvolk, die keine Kleriker sind) in der Konsequenz zwei gegensätzliche Bewegungen: Entweder entwickeln sich für Nicht-Kleriker Formen von Spiritualität, die aus den offiziellen Schulen von (monastischer oder weltpriesterlicher) Spiritualität abgeleitet werden. Oder aber Laienspiritualität wird zum Kampfbegriff stilisiert, der sich dezidiert gegen diese offiziellen Spiritualitätsformen richtet. Beide Richtungen treffen jedoch nicht den Kern dessen, was Lai­enspiritualität eigentlich ausmacht. Auch der Begriff »Laie« selbst, der im säkularen Verständnis den Gegenbegriff zum Spezialisten oder »Profi« bildet, kann den Blick auf eine grundlegende Einsicht verstellen: Spirituelle Ausdrucksformen und Erfahrungen von Men­schen im Vorfeld oder gar außerhalb theologischen Spezialistentums, offizieller Religiosität oder religiöser Gemeinschaften etc. lassen eine eigene Formensprache erkennen, welche nicht aus Büchern gewonnen und nicht standardisiert sind. Laienspiritualität hat so gut wie keine expliziten schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Sie hat keine Bibliotheken, Klöster und tradierte Gebetsformen hervorgebracht und konnte daher leicht übersehen werden. Dennoch ist sie über Jahrtausende hinweg latent präsent in den Kulturen der Religionen.

Das Bewusstsein dafür, dass diese mit dem Begriff Laienspiri­tualität apostrophierten Erfahrungen und Formen bislang einer wis­sen­schaftlichen Aufarbeitung harren, ist seit wenigen Jahren je­doch gewachsen. Auf Einladung des »Titus Brandsma Insti­tuut« für Spi­ritualität an der Radboud-Universität in Nijmegen und der Ka­tho­li­schen Akademie Schwerte trifft sich seit 2004 jährlich eine Fachgruppe zu einem internationalen und interdis­zipli­nä­ren Fachge­spräch über Laienspiritualität in Schwerte. Das Treffen bie­tet ein Fo­rum, in dem die Gesprächsteilnehmer die eigenen Phä­no­men­zugänge miteinander vernetzen und kritisch reflektieren kön­nen. Dies ist gerade dann, wenn wissenschaftliches Neuland betreten wird, ebenso fruchtbar wie unerlässlich. So ist der Re­flexionsprozess gekenn­zeichnet durch ein behutsames Sich-Vor­tasten in ein Feld, das erst noch vermessen werden will.

Das Ganze ist wesentlich als ein Suchprozess zu kennzeich­nen. Daher dokumentiert der Reihentitel »Felderkundungen Laienspiritualität« die Offenheit und den Werkstattcharakter dieses Unter­nehmens. Es soll darum gehen, Feldbestimmungen vorzuneh­men, Spuren in diesem Feld zu suchen und die Charakteristiken dieses Feldes zu bestimmen und so auf seine eigene Formensprache aufmerksam zu werden.

Dieser erste Band greift mit dem Thema »Beziehung« ein Grundmotiv von Spiritualität überhaupt auf. Die Wahl die­ses thematischen Fokus zu Beginn der Reihe ist nicht zufällig. Sie ergab sich äußerlich aus der Feststellung, dass das Thema beinahe wie ein roter Faden in den ersten Gesprächen der Fachgruppe präsent war. Dies ist ein Indiz dafür, dass zum einen Spiritualität in all ihren Formen relational ist, man folglich die Relationalität als ein Moment von Spiritualität ausmachen kann. Darüber hinaus scheint sich abzuzeichnen, dass dauerhafte zwischenmensch­liche Beziehungen konstitutiv sind für Laienspiritualität, insofern sie wesentlich geprägt ist durch die Gemeinschaftsformen von Familie, Ehe, Nachbarschaftsbeziehungen, Freundschaft etc. Ein entsprechend weites Spektrum nehmen die hier vorgelegten Beiträge in den Blick.

 

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