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– Kunst und Kultur

KUNST GEHT WEITER ! Künstlerinnen und Künstler der Akademie zur Corona-Krise

Folge 8: Vanessa von Wendt: »Schöpfung«, Folge 7: Andreas Otto: »Beschirmer«, Folge 6: Franziskus Wendels: »Tür«; Folge 5: Egbert Verbeek: »Tipping Point«

Folge 4: Nana R.H. Bastrup: »Kontinent der Masken«; Folge 3: Bernd Arnold: »Die Atmung«; Folge 2: Andreas Kuhnlein: »Stillstand«; Folge 1: Matvey Slavin: »Washing Hands«

Um die Zeit der Corona-Krise und der Schließung der Akademie zu überbrücken und vor allem den vielen Kunstfreundinnen und –freunden, die Zuhause »festsitzen«, weiterhin eine Auseinandersetzung mit den Kunstpositionen in der Katholischen Akademie Schwerte zu ermöglichen, sollen hier in lockerer Abfolge Künstlerinnen und Künstler der Akademie mit je einer Arbeit vorgestellt werden. Manchmal handelt es sich hierbei um ein aktuelles Werk, das sich unmittelbar mit der Corona-Krise auseinandersetzt, es können aber auch ältere Arbeiten dabei sein, die sich jedoch auf eine vergleichbare humanitäre Katastrophen-Situation beziehen lassen.
Vielleicht bieten diese künstlerischen Reflexionen ein wenig Halt und Trost sowie aber auch Anregung zum Nachdenken in der momentanen schweren Zeit.
Wer antworten möchte, kann das gerne tun! Ich freue mich über jeden Kunst-Dialog: lieb@akademie-schwerte.de

Folge 8: Vanessa von Wendt: »Schöpfung«

Vanessa von Wendt, Berlin

»Schöpfung«, 130 x 162 cm, Acryl und Kohle auf Leinwand, 2020

 In ihrem Gemälde »Schöpfung« stellt Vanessa von Wendt in der Tradition mittelalterlicher Kosmosbilder den Reichtum der Natur dar. Das erste menschliche Paar, Adam und Eva, erkennt man im Mittelpunkt des Bildes. Es wird in einem harmonischen Reigen umringt von vielfältigen Pflanzen und Tieren, die das Wasser, die Luft und die Erde bevölkern, über allem prangen die Gestirne Sonne und Mond. Das Menschenpaar hält sich eng umschlungen und blickt in die Ferne. Ihm gegenüber ist der Apfelbaum mit der Schlange aus dem biblischen Paradies angeordnet. Die klassische Deutung dieses Motivs als bevorstehender Sündenfall und Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies kann man aus der heutigen Sicht des die Schöpfung zerstörenden Anthropozäns vielleicht modifiziert auslegen: Die heutige Menschheit braucht dringend wieder den Baum der Erkenntnis, diesmal aber, um zu begreifen, wie wertvoll und wunderschön Gottes Schöpfung ist, und dass der Mensch die Verpflichtung hat, diese zu retten und zu schützen.

Link zur Künstlerin: https://www.vanessavwendt.de/

 

Folge 7: Andreas Otto: »Beschirmer«

Andreas Otto, Arnsberg

»Beschirmer«, 2020, 300 x 300 mm, Mischtechnik auf Karton

Da springt ein Mensch mit einem Schirm über eine Pfütze oder einen Graben – der Schirm schützt ihn und gibt ihm Aufwind, um das Hindernis bewältigen zu können. Links über ihm prangt ein Gestirn am Himmel, ein Kreis, der im Mittelpunkt einer Zielscheibe sitzt.

Andreas Otto schuf das Bild vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und thematisierte ursprünglich hier eine Bezugnahme auf den »Militärischen Abschirm-Dienst« (MAD). Dennoch kann man aktualisiert die Darstellung als eine prophetische künstlerische Reflexion deuten: Die Bedrohung ist in diesem Fall das kreisrunde Virus, das über allem schwebt und die verletzliche Welt in ihrem Zentrum verwundet hat. Die Menschheit kann sich nur retten, indem sie einen finanziellen und vor allem humanitären Rettungsschirm aufspannt und darunter als Weltgemeinschaft im Zusammenhalt die Epidemie einzudämmen versucht. Nur, wenn alle unter dem Schutzschirm Platz finden, kann dieser Sprung gelingen. (Stefanie Lieb)

 Link zum Künstler: https://www.andreas-otto-arnsberg.de/

 

Folge 6: Franziskus Wendels: »Tür«

Franziskus Wendels, Köln

Atelier mit »Tür«-Bild und Video »Studie von sich öffnender Tür«, 2020

Franziskus Wendels, der 2018 in der Katholischen Akademie Schwerte mit Malerei, Video und Installationen in der Einzelausstellung »REFLEX« vertreten war, greift momentan ein zentrales Thema seines Werks wieder auf: die Tür. Das Atelierfoto kann die aktuelle Situation des Künstlers allgemein in der Krise demonstrieren: Der Künstler ist zwar auch, wie Milliarden andere Menschen auf der Welt, auf sein Zuhause zurückgeworfen, kann sich jedoch durch die »Tür der Kreativität« in seine eigene grenzenlose Welt der Kunst begeben – und andere durch seine Kunstwerke daran teilhaben lassen.

Das kurze Video »Studie von sich öffnender Tür« zeigt den diffusen Lichtstrahl einer Tür im Dunkeln, die sich langsam öffnet und mehr und mehr Licht und Helligkeit freigibt. Das zunehmende Licht gibt Hoffnung, vermag jedoch noch nicht die genauen Konturen des Umfelds wiederzugeben: Die Zukunft liegt im Ungewiss, aber das Licht hinter der sich öffnenden Tür steht für Zuversicht und Verheißung. (Stefanie Lieb)

Video: https://www.facebook.com/ArtistInResidenceKAS/videos/1349495532107405/

Links zum Künstler:

http://www.franziskus-wendels.de/

https://www.ludwigmuseum.org/ausstellungen?view=exhibition&id=74%E2%80%AC

https://www.galerie-boisseree.com/de/artists/franziskus-wendels.html

 

Folge 5: Egbert Verbeek: »Tipping Point«

Egbert Verbeek, Bonn

»Tipping Point«, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm, 2018 (VG Bild-Kunst, Bonn)

Der Maler und Bildhauer Egbert Verbeek, der 2011 eine Einzelausstellung in der Katholischen Akademie präsentierte, hat sich in seinem 2018 entstandenen Bild »Tipping Point« mit der heiklen Verfassung des UN-Sicherheitsrats auseinander gesetzt. Ins Allgemeine und in die aktuelle Weltsituation übertragen, kann man Egbert Verbeeks Gemälde folgendermaßen interpretieren: In einem imaginären Raum des Weltparlaments stimmen die Delegierten mit Handzeichen ab, Papierdokumente wirbeln durch die Luft und steigen entweder als zu Jagdfliegern mutierende Papierflieger in die Luft oder werden in den sich in der Mitte des Bildraumes entstehenden Wasserstrudel hineingerissen. Der ganze Szenenraum kippt nach rechts und droht ebenfalls in dem Strudel zerstört zu werden. Egbert Verbeek weist hier auf die von Ökologen wie Ökonomen gleichermaßen prophezeiten »Kipp-Punkte« hin, bei denen im Zeitalter des Anthropozän einmal angestoßene destruktive Prozesse nicht mehr aufgehalten werden können und zu apokalyptischen Katastrophen führen. (Stefanie Lieb)

Link zum Künstler: https://www.melbtal.de/

 

Folge 4: Nana R.H. Bastrup: »Unterwegs zum Kontinent der Masken«

50 x 70 cm, Acryl und Fotodruck auf Plane, 2020

 Nana R. H. Bastrup lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Kopenhagen und Berlin.

 Die Künstlerin zu ihrem Bild:

 »Die Malerei 'Unterwegs zum Kontinent der Masken' ist während der Corona-Zeit entstanden und ist eine weitergedachte Interpretation des Bildmotivs aus der Werkserie 'Die Toteninsel von Arnold Böcklin'. Das Bild zeigt einen Mann, der sich in einem kleinen Ruderboot der Toteninsel nähert. Die lebhaften Masken auf der Insel wenden sich der Figur zu, scheinen ihn willkommen zu heißen oder schneiden abschreckende Grimassen. Eine von den Masken, die allergrößte, hat sogar ihre Zunge ausgerollt – Abschreckung oder Einladung? Wird das ‚Urlaubsziel‘ für den Reisenden ein sicherer Ort sein? Auf jeden Fall ist das eine gefährliche Reise. Und das ist sie auch jetzt für die Menschen. Und die Maske ist zum Symbol für die Ernsthaftigkeit der aktuellen und globalen Lage während der Corona-Krise geworden.«

 Link zur Künstlerin: https://www.nanarosenoernhollandbastrup.dk/

 

Folge 3: Bernd Arnold: »Die Atmung«

Bernd Arnold, Fotograf, Köln

»Die Zeit der großen Stille: Die Atmung«, Archival Pigment Print, Auflage 5, 2020

Seit der Pandemie achten wir wieder mehr auf unsere Atmung. Zunächst eher ängstlich horchen wir in uns hinein und spüren die Luft, die unseren Körper am Leben erhält. Aber wir sehen auch die Bilder und hören die Berichte der vielen Menschen, denen das Virus das Atmen erschwert oder sogar ausgeschaltet hat. Bernd Arnold zeigt in seinem stilisierten Foto »Die Atmung« aus der aktuellen Serie »Die Zeit der großen Stille« eine Blütenpflanze in ihrer filigranen Schönheit des Geflechts. Mit diesem stillen Naturbild weist er auf eine Analogie zwischen Pflanzengeflecht und Atmungsorgan hin und auf die Notwendigkeit von guter Luft und Umwelt für die Atmung von Natur und Mensch. (Stefanie Lieb)

https://www.berndarnold.de/fotografie/digitalis-zeit-der-grossen-stille.htm

 

Folge 2: Andreas Kuhnlein: »Stillstand«

Der Bildhauer Andreas Kuhnlein, der im südbayrischen Chiemgau lebt und arbeitet, präsentierte im Herbst 2013 seine Holzskulpturen in der Einzelausstellung »Dem Menschsein auf der Spur« in der Katholischen Akademie Schwerte. Im April 2020 hat er nun aktuell zur Corona-Krise die große Außenskulptur »Stillstand« auf dem Gelände seines Skulpturenparks im Chiemgau geschaffen. Bei der Arbeit handelt es sich um zwei überdimensionale Werkzeuge aus Stahl, eine Schaufel und eine Spitzhacke, die überkreuz angeordnet sind und deren Schaufel- sowie Hackspitze in den Boden rammen, während ihre Stiele in den Himmel ragen. Andreas Kuhnlein inszeniert hier den momentanen »Stillstand« der Welt aufgrund der Pandemie mit zwei traditionellen Werkzeugen, die aus dem Baubetrieb kommen und für kooperative Handarbeit, körperliche Anstrengung und Aktivität stehen. Diese menschliche Tätigkeit wird symbolisch lahm gelegt – jedoch nur für einen absehbaren Zeitraum, denn die Werkzeuge wirken wie nur »für die Mittagspause« abgestellt, damit sie schnell und motiviert wieder von den Menschen zum Wiederaufbau und Weiterbau eingesetzt werden können.

Video: Aufbau der Skulptur: https://www.youtube.com/watch?v=jU58Fk0EKy4

 Link zum Künstler: http://kuhnlein.eu/

 

Folge 1: Matvey Slavin: »Washing Hands«

WASHING HANDS, 30 x 50 cm, Acryl auf Leinwand, 2020 aus der Serie »Parallele Welten«

 Matvey Slavin, Artist in Residence-Stipendiat der Akademie 2018, lebt und arbeitet in Kopenhagen und Berlin, beschreibt sein Bild folgendermaßen:

»WASHING HANDS zeigt auf den ersten Blick eine triviale alltägliche und gewöhnliche Routine – das Händewaschen. Diese Handlung hat heute eine übergeordnete, und sogar eine lebensentscheidende und -prägende Bedeutung bekommen. Die Komposition baut auf dem einfachen Kalt-Warm Kontrast auf. Blau und Rot stehen für kaltes und warmes Wasser, aber auch für steril und gefährlich. Der Übergang zwischen diesen Farben ist scharf und abrupt. ‚Eine Hand wäscht die andere‘ lautet die bekannte sprichwörtliche Redensart und bekommt in diesem Bild auch eine neue Bedeutung, z.B., wie schnell die Ansteckung sich weltweit ausgebreitet hat. Auch in der biblischen Geschichte hat der Akt des Händewaschens schon eine symbolische und übergeordnete Bedeutung gehabt: Pontius Pilatus wusch sich als Zeichen seiner angeblichen Unschuld die Hände. Diese Frage, wer tatsächlich ‚Schuld‘ an der Corona-Krise hat, wird die Menschheit noch lange beschäftigen...«

 

Link zum Künstler: https://www.matveyslavin.de/