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Inspirierendes Sommerkonzert in der Akademie

Das Duo Amabile begeisterte mit großer Bandbreite

Breit gefächert erlebte der bis auf den letzten Platz besetzte Saal der Katholischen Akademie Schwerte Kammermusik par Excellence. Dafür sorgte das 2012 gegründete Duo Amabile. Das sind die Geigerin Diana Wadwa, Konzertmeisterin, Kammermusikerin und Violin-Pädagogin mit internationaler Erfahrung, sowie die Pianistin Risa Adachi, Korrepetitorin und Lehrbeauftragte für Korrepetition an den Hochschulen Düsseldorf und Münster. Gemeinsam gestalteten sie einen Streifzug von der Klassik bis zur frühen, auch unterhaltsam wahrgenommenen Moderne.

In gefälligem Zusammenspiel interpretierten sie Mozarts auf einer Reise nach Paris entstandene Sonate in G mit blumiger Musik des offenbar verliebten jungen Salzburgers im Kopfsatz, einschmeichelnd, tänzerisch wiegend im Allegro mit bedachtsam-traurigem Zwischenspiel, gern gehört vom Publikum. Wadwa moderierte pädagogisch geschult mit Hintergrundwissen. Eine Sonate in Moll entsprang der Feder des krebskranken Debussy im 3. Kriegsjahr des 1. Weltkrieges. Melancholischem Auftakt folgten bezaubernde Flageolett, glöckchengleiches Klavierspiel, auch hier von Melancholie bestimmt. Aufbegehrend, entrückt, spürte der Kopfsatz bald spanischem Kolorit nach. Sprunghaft, doch vorsichtig näherte sich das „Intermède“ einem unbekannten Etwas, verlangsamt, doch vom Klavier zu neuer Hast getrieben, aufgeregt tremolierend. Langsam glitt die Violine ins Vorspiel des Klaviers zum Finale hinein, zeigte sich mehrfach in Kadenzen, abgleitend in Atonalität. Langsames ebenso wie aufbrausendes Spiel, beherzt, „Trés animé“, entstand hochnotpeinliche Zwiesprache, entrückte ganz zart ins Kindliche, endete in rasantem Schlußton.

Ein Nocturne, langsam und Innig, das Cortège mit Pizzicato und aus den Tasten sprechenden Zupfern, hatte die nur 24 Jahre alt gewordene Komponistin Lili Boulanger geschrieben. Nordisch-lyrisch wurde es mit der Romanze des Norwegers Johan Svendsen. Vom Blues angehaucht war die wohl bekannteste Nummer aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“, Mit einer langen Doppelgriff-Passage, rhythmischem Spiel konnte die Geige hier glänzen. Auch „Original Rags“, ein ursprünglich für Piano gesetztes Medley von Scott Joplin, repräsentierte das schwarze Amerika, bezog auch Impulse aus der Musik Montevideos ein, Piazzollas „Oblivion“ ließ das Duo in Argentinien verweilen mit melancholischem Einstieg in den Tango Nuevo, theatralischem Piano mit großer Tonentfaltung, der Violine darüber. Die Morgenammer, den Spatz Südamerikas, beobachtete Zequinha de Abreu beim Raubzug im Maismehl. „Tico Tico no Fubá“ nannte er diesen Choro, früheste brasilianische Popularmusik, vom Duo Amabile variantenreich dargeboten. Als Zugabe gelangte mit „Tant anni prima“, vor vielen Jahren, noch einmal Piazzolla zu Gehör, ein verträumtes Stück. Wie „Oblivion“ kam es in dem italienischen Film „Enrico IV“ mit Marcello Mastroianni und Claudia Cardinale zum Einsatz, war sogar eigens dafür komponiert. Das Publikum wählte das im Original für Oboe und Klavier gesetzte Stück durch vehementes Klatschen aus. Inspirierend!

Martin Schreckenschläger, Ruhr Nachrichten