16.07.10 Die vierte Campus-Akademie findet zur Zeit statt. Die Teilnehmenden berichten über den Lauf der Ereignisse.
16.07.10 Balanceakt zwischen Schweiß und organisiertem Chaos
Als Letzte erreiche ich das im Grünen gelegene, auffällig architektonisch gestaltete Gebäude der Katholischen Akademie Schwerte, bepackt, als zöge ich aus, die Welt zu entdecken, räume ich doch nur bescheiden ein paar Kleinigkeiten in die Schränke und Schubladen meines Einzelzimmers. Während Freunde heute ihre Saltos bei gefühlten 40° C im Freibad vom 5m-Turm wagen, warten auf uns 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohl eher geistige Saltos, Gedanken, die sich im Austausch miteinander überschlagen und uns auf unserem Weg zum Horizont hoffentlich nicht stolpern lassen, unseren Horizont vielleicht sogar erweitern.
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wofür lohnt es sich zu leben, sich einzusetzen, sich stark zu machen? Momentan sind dies bloß leere Worthülsen, Begriffe, ohne zu begreifen, Fragen ohne Inhalt, die kurz überflogen auf der ersten Seite der Broschüre verharren. Stattdessen löchern meinen Bauch andere Fragen: Wie wird es sein, die anderen Teilnehmer nach dem Abendessen abseits von Wurst und Käse näher kennenzulernen? Was sind deren Zielvorstellungen und Erwartungen für diese besondere Woche und sind sie auf meine projizierbar? Geschickt gelingt es Dr. Peter Klasvogt mithilfe von Fragen aus verschiedenen Interessensgebieten, beispielsweise in Hinblick auf unser musikalisches Interesse, unsere schulischen Fehltritte, die nun als einstige Enttäuschungen mit Humor getragen werden, oder unser sportliches Engagement ein Gespräch untereinander aufzubauen. Soeben bröckelt unsere utopische und verunsichernde Vorstellung von 23 anderen Teilnehmern, dessen glatter Lebenslauf keinen Knick aufweist, Schwäche erkennen lässt oder eine Zensur mit einstelliger Punktzahl anprangert. Erleichterung und das Aufsprengen selbstgesetzter Barrieren durch das sympathische Zugeben vom Scheitern und von Schwächen verleihen diesem Abend der Orientierung ein humanes Gesicht, – Dr. Klasvogt selbst erzählt ohne Hemmungen über manch amüsante Geschichte aus seiner Kindheit und Jugend. Langsam bricht das Eis in dem Pulk verschwitzter Köpfe, Sombrero-Hut oder Schutzbrille als persönliches An-Denken, welches unser persönliches Abenteuer Leben jeweils mithilfe eines Gegenstandes charakterisieren soll, lassen erahnen, dass uns nach der öffentlichen Gesprächsrunde weitere originelle Stories den Abend versüßen. Zwischen all dem Drumherum und Neuem soll ich zu mir selbst finden? Können sich aus dieser Woche der Erfahrungsberichte und des Dialogs meine Sehnsüchte und Berufsvorstellungen noch deutlicher herauskristallisieren? Anfängliche Gleichgewichtsschwierigkeiten sind nun ausbalanciert und wir sollten bereit sein, die Hand, die uns gereicht wird, zu nutzen und zum eigentlichen Kern und Ziel dieser Woche vorzustoßen - dem Dialog und Innehalten.
17.07.10 Annäherung in allen Bereichen
Lebensfroh, liebenswert und erfahren, das ist der Eindruck, den wir von Dr. hc. Christian Krause bei seinem Vortrag bekommen haben. Begonnen hatte die erste Gesprächsrunde der Campus-Akademie mit einem kurzen Briefing von Benjamin Pakmor und Simon Siebeneicher. Darauf folgte eine Erzählung der wichtigsten Stationen seines Lebens: »Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann verändern sie das Gesicht der Welt« (Krause).
Dr. hc. Christian Krause ist ein lebendes Beispiel für die Annäherung der verschiedenen Konfessionen. Der ehemalige Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig referierte über seine reichhaltigen Lebenserfahrungen und - berichte. Gerade die Einheit der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Christen war genauso seine Herzensangelegenheit, wie die Bekämpfung der Apartheid in Afrika. Letztere Erfahrung konnte er besonders bei seiner Mitarbeit in Tansania tatkräftig umsetzen. Hierfür hat er den Oliver R. Tambo-Preis in Südafrika bekommen, die höchste südafrikanische Auszeichnung, die einem Ausländer zu Teil werden kann.
Er begann seine Erzählung mit seiner Kindheit, der Kriegsflucht und dem Theologiestudium in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Immer wieder zog es ihn zum lutherischen Weltbund (LWB), der Vereinigung aller lutherischen Kirchen weltweit, dessen Präsident Krause 1997 wurde. Dort setzte er sich maßgeblich für die Ökumene der Christen ein, die mit der gemeinsamen Rechtfertigung am 31.10.1999 seinen Höhepunkt fand. Für diesen Erfolg erntete Krause viel Anerkennung, diverse Preise und das große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Wir bekamen einen Einblick in sein Leben, seine Erfolge und seine weiteren Ziele für die Ökumene.
Am Ende dieses Blockes konnten wir als Zuhörer Fragen stellen, die uns selbst auf dem Herzen lagen. Dazu gehörten hauptsächlich Fragen zum Verhältnis zu der katholischen Kirche und den Problemen, auf die man stößt, wenn man einen ökumenischen Gottesdienst feiert.
Abschließend hat er uns noch eine alte Weisheit auf den Weg gegeben: »Mach was du willst, aber bleib bei den Christen«.
17.07.10 Pressesprecher mit Humor
Am Nachmittag stand nach Bischof Krause eine weitere Persönlichkeit auf dem »Spielplan« der Campus-Akademie-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen: ins »Kreuzverhör« wurde von uns Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), genommen.
In zwei Stunden erklärte er uns alles über die Kommunikation und das Wechselspiel zwischen Medien, Gesellschaft und Kirche.
Heiß diskutiert wurde besonders über die Missbrauchsproblematik und die (Selbst-)Darstellung der Kirche in der Öffentlichkeit. In unserem Gespräch schlug Kopp zum Teil auch selbstkritische Töne an, wusste aber auf alles eine treffende, schlagfertige Antwort, die uns doch den einen oder anderen Horizont eröffnete, zugleich aber auch von Humor zeugte.
Diplomatisch in der Ausdrucksweise, stellte er uns die Sorgen und Nöte eines Pressesprechers dar.Das Dilemma, in dem er als Christ steckt – zwischen Wahrheit und PR – brachte er glaubhaft und offen rüber. Nie hatten wir den Eindruck, es mit einem ausgefuchsten »Pressemenschen« zu tun zu haben, sondern immer wieder konnten wir einen Blick auf den »Menschen Kopp« hinter dem »Pressesprecher Kopp« werfen. Zum Teil durften wir auch seine ganz persönliche Sicht der Dinge anhören.
Er stellte klar, dass auch die katholische Kirche ihre Probleme mit der Pressearbeit hat, trotzdem sieht er seine Tätigkeit nicht als »Job« - er sieht sie vielmehr als »Berufung«. Und genau dieses Selbstverständnis merkten wir den zwei Stunden mit Matthias Kopp wirklich an: ein Mensch, der mit Herzblut und großem, auch persönlichem, Einsatz 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, versucht die Kirche nach außen zu transportieren, Türen zu öffnen, Kirche und Welt sich näher zu bringen.
18.07.10 Sei dein eigener Chairman
»Sei dein eigener Chairman« – Das ist das Leitmotto der Diplom Psychologin Dorothea Böhm. Seit 1984 berät sie Erwachsene im Rahmen des »European Career Coaching« Projekts, seit 1994 fokussiert sie diese Tätigkeit auf Jugendliche. Es handelt sich hierbei um eine Kombination aus Berufswahl, Lebensgestaltung und Karriereberatung.
Als eine starke Persönlichkeit schien sie gezielt ihren Lebensweg geplant zu haben, auch wenn sie anfangs
eher durch Zufall diesen Beruf gewählt hat.
In einer anschließenden Gesprächsrunde unterhielt sie sich mit uns über persönliche Wertvorstellungen und machte uns darauf aufmerksam, dass wir neben diesen individuellen Wertvorstellungen auch unseren Selbstwert kennen müssen, um in der Lage zu sein einen Plan für die Zukunft erstellen zu können.
Dorothea Böhm wies außerdem darauf hin, dass es notwendig ist, immer einen Platz für spontane Veränderungen zu lassen und einen ehrlichen Menschen zu finden, dessen Meinung und Kritik annehmbar ist.
Im abschließenden Austausch mit allen Teilnehmern der Campus-Akademie wurde deutlich, dass das Gespräch interessant und wichtig für uns Jugendliche war, da wir bald vor bedeutenden Entscheidungen auf unserem Lebensweg stehen, bei denen sie Personen in unserem Alter täglich in ihrem Berufsleben begleitet.
18.07.10 Ökumene, Zukunft der Kirche und der Zölibat
Am Sonntagnachmittag besuchte uns Weihbischof Matthias König. Zunächst stellten wir uns ihm vor, verrieten, aus welcher Gemeinde wir kommen, und wie wir in ihr aktiv sind. Dann berichtete er von seinem Werdegang und seinen Aufgaben.
Ziemlich schnell mündete das Gespräch in einer facettenreichen und interessanten Diskussion mit Themen, über die wir schon mit den Herren Krause und Kopp gesprochen hatten: Ökumene, Zukunft der Kirche und den Zölibat. Doch seine Exzellenz beließ es nicht beim bloßen Beantworten unserer Fragen. Er wandte sich an uns und fragte uns, was man in der Kirche verändern könne.
Zwischendurch verlegten wir die Diskussion an die frische Luft. Im kühlen Schatten musste Weihbischof König Antworten auf teilweise kritische Fragen bezüglich des Zölibats finden. Er erklärte uns dabei sowohl seinen historischen als auch theologischen Hintergrund. Der Nachmittag endete mit einem festlichen Gottesdienst mit dem Weihbischof.
Nachdem uns Dr. hc. Krause, der ehemalige Landesbischof, seine Ansichten zur Ökumene und der Position der Kirche in der Gesellschaft dargelegt hatte, war es bereichernd eine weitere – z.T. unterschiedliche – Meinung zu hören. Schließlich ist die Zukunft der Kirche für uns in ihr aktive Jugendliche ein wichtiges Thema.
19.07.10 Hinter jeder Sucht steht der Schrei nach Liebe
Paul Stapel, ein aus Paderborn stammender Pastor, hat zusammen mit seinem Zwillingsbruder weltweit ein Sozialwerk zur Hilfe alkohol- und drogenabhängiger Jugendlicher errichtet. Auf den sogenannten Fazendas, weltweit 68, steht er den Jugendlichen bei und hilft ihnen durch die Gemeinschaft und die Arbeit, aber besonders durch den Glauben mit ihrer Sucht umzugehen. Denn Paul Stapel sagt, dass hinter jeden Sucht der Schrei nach Liebe stehe.
Sein Grundsatz dabei ist das aktive Leben des Evangeliums und wenn man im Willen Gottes handelt ergibt sich der Rest von selbst.
Er ist seit den 1980er Jahren in Brasilien, dem Ursprungsland der Fazendas, aktiv und seine Arbeit wurde bereits als Charisma der Hoffnung der Kirche bezeichnet. Das kann aber nur geschehen, wenn es Christen gibt, die das Evangelium aktiv und authentisch leben umso ihren Glauben an andere weiterzugeben.
Herr Stapel handelt aus seinem Glauben heraus und ist dabei überzeugt und überzeugend, weil in jedem einzelnen Jugendlichen Jesus lebt.
Paul Stapel hat die ganze Gruppe tief bewegt. Er hat ein Projekt vorgestellt, dass von einem tief im Herzen überzeugten Christen für andere Mitmenschen ins Leben gerufen wurde. Er hat uns ein Bild davon vermittelt, was es bedeuten kann seinen Glauben aktiv im Sinne des Evangeliums zu leben und auf diese Weise sein Ziel zu erreichen.
Er hat gerade für uns Jugendliche eine Perspektive gezeigt, wie man Kirche heute aktiv leben kann ohne immer nur auf sich selbst fixiert zu sein. Denn es gibt noch genug Probleme in der Welt, die man mit Gottes Hilfe lösen kann.
Gerade nach den teilweise schon sehr kritischen Nachfragen zur Beziehung zwischen der Kirchen und den Jugendlichen zeigt das Beispiel Paul Stapel glaubwürdig, dass auch in einem wohlhabenden Land wie Deutschland die Jugendlichen noch Sehnsüchte haben, die nicht alle erfüllt sind, dann aber versuchen sie mit der Droge zu erfüllen und Gott uns durch die Fazenda diese Hoffnung einen Stück weiter zu tragen.
19.07.10 Eine Investition in die Zukunft
Der zweite Vortrag unseres heutigen Tages wurde von Prof. Dr. Andreas Hoffjan gehalten. Hoffjan berichtete detailliert von seinen zahlreichen Erfahrungen, die er in seinen 43 Lebensahren sammeln konnte. Er zeigte uns viele Stationen seines Lebensweg auf, die ihn sehr prägten: Abitur, 8 Jahre Parteienengagement in der FDP, Bemühungen und Erwerb eines Stipendiums für dein Studium, Auslandserfahren in China, Kanada, USA und Frankreich, Doppelkarriere (Familie und Beruf) sowie die Bewältigung von Höhen und Tiefen des Lebens. Immer wieder ermutigte er uns, selbst in den Bereichen soziales Engagement, Stipendium und Auslandsaufenthalt aktiv zu werden, um ein großen Spektrum an Erfahrungen zu sammeln, da diese sich als sehr wichtig für spätere Bewerbungen zeigen.
Um uns dieses zu verdeutlichen, erzählte er uns viele Anekdoten aus Familie und Beruf. Immer wieder betonte er, dass man zu Risiken bereit sein müsse und auch mal etwas wagen solle. Nachdem er uns auch einen Einblick in seine Forschungstätigkeit (BWL/Controlling) gewährt hat, beantwortete er offen und mit individuellen Tipps und Ratschlägen unsere Fragen. Auch für eventuelle weitere Fragen, die sich uns in der Zukunft stellen, steht er uns gerne mit einem offenen Ohr zu Verfügung.
20.07.10 »Leistung aus Leidenschaft« – Die Macht der Banken und ihre gesellschaftliche Verantwortung.
Eine Begegnung mit Prof. Dr. Clemens Börsig
»Ich mache das, weil es mir so richtig Spaß macht!« Dieses Zitat von Prof. Börsig, dem Aufsichtsratvorsitzenden der Deutschen Bank zeigt die Begeisterung an seiner Arbeit.
Diese besteht nicht nur aus seiner wichtigen Position in der großen und international ausgerichteten Deutschen Bank, sondern auch aus der Mitwirkung in verschiedenen Aufsichtsräten von Unternehmen, z.B. der Lufthansa AG und der Linde AG.
Aufgrund seines stressigen und abwechslungsreichen Tagesablaufs bleibt ihm nicht so viel Zeit für seine Familie und seine Hobbys Ski, Golf, Geschichte und Wissenschaftstheorie. Trotzdem engagiert er sich in der Gesellschaft in zahlreichen Kulturkreisen und –stiftungen.
Um diese gesellschaftliche Verantwortung und die der Banken ging es in unserem Gespräch.
Herr Börsig erläuterte uns, dass die Deutsche Bank als Global Player nicht nur für ihre Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter, sondern auch für die Gesellschaft Verantwortung trägt.
Sie engagiert sich jährlich mit 80 Mio. € in den Bereichen Kunst, Musik, Soziales und auch Bildung.
Persönlich kritisierte er unzureichende Vermittlung von wirtschaftlichen Grundkenntnissen in den Schulen, weshalb er Initiativen und Projekte, die diese vermitteln, sehr schätzt.
Natürlich kam auch das Thema der Finanz- und Wirtschaftskrise auf. Trotz der Tatsache, dass diese Krise selbst so einfach wie möglich erklärt noch furchtbar kompliziert sei, so Börsig, gelang es ihm uns die Ursachen und Auswirkungen näher zu bringen.
Zudem waren ein weiterer Diskussionspunkt die hohen Managergehälter, in wessen Zusammenhang wir ihn auch auf sein Jahresgehalt im Jahr 2005 von 5,65 Mio. € ansprachen.
Die hohen Löhne rechtfertigte er mit der Leistung und einem sich natürlich ergebenden »Marktpreis« der Manager. Außerdem ist deren Gehalt auch an den Aktienkurs und den Erfolg des Unternehmens gekoppelt.
Diese Antwort wirkte jedoch auf uns eher unbefriedigend, da er sein jetziges Gehalt von 260.000 € pro Jahr als »fast nichts« bezeichnete.
Allerdings merkte er an, dass die meisten Manager Teile ihrs Gehalts spenden und das Geld somit dem Wohle der Gesellschaft Zugute kommt.
Insgesamt war die Begegnung sehr interessant und gab uns Einblicke in die Welt der Finanzen, obwohl er unserer Meinung nach teilweise zu unpersönlich und allgemein blieb.
20.7.10 Pianisten der Welt beflügeln das Ruhrgebiet - zu Besuch bei Prof. Ohnesorg
Was bedeutet Musik? Eine Frage, die auf den ersten Blick erst einmal leicht zu beantworten scheint, jedoch genaueres Wissen sowie Interesse erfordert. Man merkt schnell, dass dies ein komplexeres Thema ist.
Prof. Franz-Xaver Ohnesorg, der jetzige Intendant des Klavierfestival Ruhr eröffnete uns einen tiefgründigen Einblick in die Welt der Musik. Als ausgebildeter Flötist mit abgeschlossenem Studium in der Betriebswirtschaftslehre, Musik- und Theaterwissenschaften sowie Kunstgeschichte, erzählte er seine eindrucksvolle Karriere und ließ den einen oder anderen Musikbegeisterten Hoffnung schöpfen. Besonders beeindruckend ist vor allem, dass er Orchesterdirektor bei den Münchener Philharmonikern, Gründungsintendant der Kölner Philharmonie und Executive and Artistic Director der Carnegie Hall gewesen
ist.
Die anschließende Fragerunde wurde angenehm eröffnet und schaffte gleichzeitig eine gelungene Überleitung zu dem am Abend bevorstehenden Ereignis.
Professor Ohnesorg ermöglichte uns die Teilnahme an einem Klavierkonzert des jungen amerikanischen Pianisten Nicholas Angelich, der ausgewählte Stücke Bachs, Chopins und Schumanns spielte. Alle Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen; als krönenden Abschluss spielte Angelich noch vier weitere Stücke als Zugabe.
Durch dieses Konzert fand der Abend einen angenehmen und abwechslungsreichen Ausklang, der uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
21.07.10 Medienmacht und Wirklichkeitsdeutung
»Ich habe mich als Missionar gesehen«, so Gerald Baars, der Leiter des Dortmunder Landesstudios des WDR s, der am 30. Mai 1953 in Wolfsbüttel geboren wurde.
Schon während seines Studiums der Raumplanung an der Uni Dortmund begann er, über die Not in Afrika zu berichten.
1976 schreibt er seine Diplom Arbeit in Afrika und ist somit anerkannter Diplom-Ingenieur. Doch statt sich in seinem eigentlichen Beruf zu engagieren, bewirbt er sich als Volontär beim WDR und entscheidet sich für die journalistische Laufbahn. Später wird er beim WDR Redakteur und Reporter, wobei sein Themenschwerpunkt in der Außen- und Entwicklungspolitik liegt.
1988 wird er Leiter vom WDR Dortmund und gründet 1995 das erfolgreichste Radioprogramm für junge Leute, Einslive.
Junges Radio, das heißt für den heute 57-jährigen, dass es ein Vollangebot an Themen gibt, die aus dem Blickwinkel von jungen Menschen behandelt und erzählt werden.
Ebenso legte er fest, dass die Redakteure möglichst jung sein sollten und maximal fünf Jahre beim Einslive bleiben sollten, damit sich das junge Publikum gut mit dem Sender identifizieren kann.
Aus diesem Grund verabschiedet sich auch Gerald Baars nach fünf Jahren von Einslive und wird im Jahr 2000 Studioleiter des ARD Studios New York.
Bei unserem heutigen Besuch berichtete er uns von einer Vielzahl erlebter Dinge in den Staaten. Hierbei wurde vor allem deutlich, wie sehr ihn die Anschläge des 11. Septembers geprägt haben.
Hierbei schilderte er uns seine Eindrücke dieser Tage sehr detailliert und machte deutlich, wie gefährlich und risikoreich die Weitergabe von halb wahren und unbestimmten Informationen ist.
Im Anschluss an die Beantwortung unserer vielen Fragen machten wir noch einen kleinen Rundgang durch die WDR Studios.
Abschließend gab er uns mit auf den Weg, uns gegen Rassismus einzusetzen und ermutigte uns dazu, »Flagge zu zeigen«.
21.07.10 Prof. Ludwig Georg Braun, eine große Unternehmenspersönlichkeit
Wenn man auf unser Programm schaut, war Prof. Ludwig Georg Braun die große Unternehmenspersönlichkeit als Vorstandsvorsitzender der B. Braun in Melsungen.
Ludwig Georg Braun war aber alles andere als das, was man sich unter einem Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens dieser Größe, mit immerhin fast 40.000 Mitarbeitern, vorstellt.
Braun ist evangelisch, verheiratet und hat fünf Kinder. Nach seinem Abitur machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und begab sich danach in die ganze Welt, um praktische Erfahrungen im Bereich Betriebswirtschaft zu machen. Seit nun 33 Jahren ist er nun Vorstandsvorsitzender der B. Braun AG in Melsungen und prägte sein Familienunternehmen in der fünften Generation.
Ludwig Georg Braun ist ein sehr prinzipien- und werteorientierter Mensch, was er eben auch in sein Unternehmen einfließen lässt. Seine Führungsphilosophie beschränkt sich eher aufs lenken und Vorbild sein. Seitdem er verschiedene Dinge in seinem Unternehmen geändert hat, wie z. B. die Abschaffung von festen Büros, d. h. also die Mitarbeiter haben ihren Computer in einer volldigitalisierten Umgebung und können sich so immer neu in ihren Teams organisieren, sieht er sich auch selbst in der Verantwortung dies vorzuleben, sodass in Melsungen auch kein Büro des Vorstandsvorsitzenden gibt.
In seinem Privatleben steht für ihn seine Familie sehr stark im Mittelpunkt. Obwohl er neben seiner Tätigkeit als Vorstand auch noch einige ehrenamtliche Tätigkeiten, wie z. B. die Präsidentschaft der DIHK ausgeübt hat, nimmt er an Sonntagen keine Termine war und setzt sich auch dafür ein, dass der Sonntag allgemein ein Tag der Familie ist und bleibt.
Sehr beeindruckend war für uns auch, dass seit einigen Jahren immer mittags um zwölf Uhr bei jedem Mitarbeiter, ein Zitat, Gedanke oder Spruch erscheint, um so einen Gedanken und Besinnung unter die Belegschaft zu bringen.
Für uns stellte sich natürlich die Frage, ob diese Unternehmensphilosophie nicht auch von anderen übernommen werden könnte, wobei dieses wohl oft schon an Vorstandsebenen scheitert, die nicht bereit sind selbst mit der Veränderung zu beginnen und so Vorbild für die Mitarbeiter zu sein.
Wir waren alle der Meinung, dass wir mit Prof. Ludwig Georg Braun einen beeindruckenden Menschen kennengelernt haben, der anders ist, seine eigenen Ideen umsetzt und so Erfolg hat. Diese funktionierende moralische Orientierung sollte ein Vorbild im Bereich Wirtschaft und Unternehmensarbeit sein.
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