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»Heilige Bücher heute« Ausstellung mit Arbeiten von Emil Schumacher, Günther Uecker und Jannis Kounellis |
05.03.2010 Am Sonntag, dem 14. März 2010, eröffnet die Katholische Akademie Schwerte die 20. Ausstellung der Reihe »Transzendenz im Augenschein«.
Emil Schumacher, Günther Uecker, Jannis Kounellis
»Heilige Bücher heute«
»Transzendenz im Augenschein 20«
Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, dem 14. März 2010 um 16.00 Uhr
Begrüßung:
Dr. Ulrich Dickmann Katholische Akademie Schwerte
Einführung:
Dr. Alexander Klar, Wissenschaftlicher Leiter des Emil Schumacher Museums Hagen
Musik:
Tobias Bredohl, Klavier
Susanne Beckmann - Eurich, Viola
Dauer der Ausstellung: 14. März bis 09. Mai 2010
Öffnungszeiten:
Montags bis samstags von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Sonntags von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Austellung geschlossen:
01. bis 06. April
Zur Ausstellung schreibt Prof.em. Dr. Inge Habig:
»Betreten wir die Brücke, die Emil Schumacher (geb. 1912 in Hagen; gest. 1999 in San José, Ibiza), Günther Uecker (geb. 1930 in Wendorf, Mecklenburg; lebt in Düsseldorf) und Jannis Kounellis (geb. 1936 in Piräus, Griechenland; lebt in Rom und Berlin) mit ihren graphischen Serien zu drei ausgewählten Schriftstücken des Alten Testaments - der »Genesis«, dem »Buch Hiob« und dem apokryphen »Thomas-Evangelium« - gebaut haben! Diese Brücken sind Bildparaphrasen, die vom Logos heiliger Bücher zu freien Zeichen mit eigener Formensprache und vom verkündigenden Wort zum künstlerischen Bild ohne Inhalt führen. Der nicht darstellbare Logos sucht hier Wohnung in subjektiven, selbst-referentiellen, aber vom heiligen Text inspirierten, »kommentierenden« Figurationen, so als ob sie das alttestamentliche Gebot: »Du sollst dir kein Bild (von Gott) machen!« beherzigen würden.
Das erstaunliche Faktum, dass drei hoch bedeutende Künstler des Informel, der Arte povera und der Objektkunst sich als Leser des Alten Testaments nahezu gleichzeitig bildtheologisch äußern, weist auf das Verschwinden der christlichen Ikonographie aus der modernen Kunst und das gleichzeitige Erscheinen von transzendierenden Aussagen in malerischen und materialgegenständlichen Abstraktionen hin, in denen Künstler heute ihre Frömmigkeit ausdrücken.
Anstoß für die drei Werkgruppen aus Doppelseiten mit »Illustrationen« und hebräisch-deutschen Textstellen gab die außerordentliche Reproduktionsmöglichkeit der erst in jüngster Zeit erfundenen sog. Terragraph-Technik, die in der Druckerei El Har in Tel Aviv/Jaffa entwickelt wurde. Sie verleiht den farbigen Arbeiten mit ihren substanziellen Oberflächen den Charakter von Originalen und lässt deren graphische Reize voll zur Geltung kommen.
Emil Schumachers Buch »Genesis«, Kap. I-XII, mit seinen 18 gemalten Blättern im Doppelquadrat-Format von 1988 ist dessen letztes bedeutendes Werk kurz vor seinem überraschenden Tode. Es paraphrasiert die aus langer Lesegewohnheit des Künstlers resultierende Meditation der Urparabel der christlichen Schöpfung in der für ihn eher ungebräuchlichen Seriegraphie. (In früheren Werken waren einzelne alttestamentliche Themen in Gemälden aufgetreten.) Die pathetisch schöne und manchmal erschreckende Farb- und Formgewalt der hier vom Maler gefundenen, gestischen Zeichen für Gottes schöpferische Akte des »Es werde!« lassen sein starkes, intuitives Empfinden für das erzählte Geschehen zugleich irreal und materiell-konkret in Erscheinung treten.
Günther Ueckers Graphikserie zum Buch »Hiob« (47teilig) von 2001 - mit deutschem Text in der Lutherübersetzung - wagt es, die bohrenden Fragen des unschuldig gequälten und am Sinn seines Leidens verzweifelnden Hiob an Gott - die Frage der Theodizee -, wie sie in diesem Buch der Weltliteratur gestellt werden, bildlich anschaulich zu machen; eine große Herausforderung für den Künstler, der sich schon seit langem mit Ausdrucksformen für dieses christliche Mysterium beschäftigt! Der Künstler findet dafür Urzeichen, Strukturen, gestische Gebilde, hier und da sein Markenzeichen Nägel, geometrische Figuren, gewaltige Wirbel, Kreise - in Schwarz und mit Sand ausgeführt -, die seine unmittelbare Körpererfahrung widerspiegeln. Es ist seine »Aktionskunst«, die die »Bewegung des Malens und Gestaltens« und die »geistige Erregung eines innerlichen Brennens« versinnbildlicht.
Die erst 1945 entdeckte koptische Abschrift des älteren griechischen, sog. »Thomas-Evangeliums«, zusammengestellt aus nicht kanonisierten Quellen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, bringt 14 Botschaften Jesu in bruchstückhaften, z.T. bekannten, z.T. legendären Fassungen. Die 12 geometrischen und figürlichen Symbole hierzu von Jannis Kounellis (2008) lassen sich in vier Gruppen aus jeweils drei Arbeiten einteilen (vgl. Literaturhinweise unter 3.) - »Geistige Zeichen«: siehe der geteilte Kreis für Jesus und Thomas; das geteilte Rechteck für die Trennung von Leib und Seele; das Quadrat in der Raute für das Kreuz im Kosmos. »Zeichen des Lebendigen«: siehe die Elemente Wasser/Fisch, Luft/Vögel und Erde/Baum. »Kosmische Zeichen«: siehe der Stein der Weisen, die Leiter, die zum Himmel führt und das Sternbild des Kleinen Bären. Schließlich »Zeichen des Menschen«: siehe das Licht unter den Symbolen der Petroleumlampe und des Feuers, das zum Himmel schwebende Haus und die vierundzwanzig Köpfe der Menschheit. Jedes Blatt ist für sich »hermetisches Fragment« aus einer weitgespannten Vorstellungswelt von Kabbala und Gnosis. Malmittel sind rotbrauner Sand, das Material, das die Symbolik der biblischen Wüste, der Askese und der Erde in sich birgt. Es gibt der Apokryphe ihren ästhetischen Ton, der das Kryptische des Textes bildkünstlerisch übernimmt.«
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